Bogentuning Teil 2 – Der „Rohschaft-Test“

In diesem Beitrag möchte ich darüber berichten, wie ich beim Rohschaft-Test vorgehe. Viele kennen ihn auch als Blankschaft-Test. Das Testverfahren ist relativ einfach und kann auch von einem Anfänger gemacht werden. Allerdings empfiehlt es sich oft, eine/n erfahrene/n Partner/in zur Hilfe zu nehmen. Das Testverfahren ist für alle Arten des Bogensports wichtig. Auch im traditionellen Bogensport sollte der Rohschaft-Test ein fester Bestandteil des Tunings sein. Der Rohschaft- oder Blankschaft-Test ist dafür da, um seinen Pfeil individuell passend für seinen Bogen zu tunen. Der Pfeil muss einen zu meinem Zuggewicht passenden Spine (Steifigkeit) haben, damit er eine stabile Flugbahn bekommt und gut gruppieren kann.

Jeder Schütze sollte also beim Kauf von neuen Pfeilen seine Auszugslänge bestimmt haben und sein tatsächliches Zuggewicht (auf den Fingern) kennen. Bitte nicht das Zuggewicht nehmen, welches auf den Wurfarmen steht.

Jeder Pfeilhersteller (Easton/ GoldTip/ Carbon Express etc.) hat dafür auf seiner Website eine Tabelle, die mir für mein individuelles Zuggewicht und meine Auszugslänge verrät, welchen Spinewert ich für meine Pfeile wählen sollte.

Hierbei handelt es sich um den „statischen Spine“. Über diesen unterhalten wir uns nun hauptsächlich. Es gibt auch noch den „dynamischen Spine“, der einen Pfeil ebenfalls beeinflusst. Dieser wird allerdings erst später Thema sein.

Wir stellen für einen ersten Test unseren Bogen auf das Grundsetup ein. Dieses habe ich in einem vorherigen Beitrag schonmal beschrieben. Der Button sollte auf mittlere Härte eingestellt sein und das Visier sollte mittig über dem Pfeil stehen. Auch das Center des Pfeils muss vorher korrekt eingestellt sein.

Nun schießen wir auf eine sichere Entfernung (10-30 Meter) 3-6 befiederte Pfeile auf eine Auflage bzw. einen Zielpunkt, um eine Gruppe ausfindig zu machen. In der gleichen Passe schießen wir mit der gleichen Einstellung einen oder mehrere Rohschäfte (unbefiederte Pfeile) auf den gleichen Zielpunkt.

TIPP: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Sinn machen kann, mehrere Rohschäfte zur Kontrolle zu schießen. Sollte ein Rohschaft sich anders verhalten, als ein anderer, kann dies dazu führen, dass sonst später das komplette Setup nicht stimmt. Außerdem macht es Sinn, den Test mehrfach hintereinander zu wiederholen.

ACHTUNG: Das Visier und der Button dürfen hierbei noch nicht verstellt werden!!! 

Jetzt geht es darum, den Test zu interpretieren.

Ist der Rohschaft über oder unter der Gruppe, dürfen wir uns ein Urteil über die Nockpunktüberhöhung erlauben.

  • Ist der Rohschaft weit über der Gruppe, ist der Nockpunkt zu tief.

  • Ist der Rohschaft unter der Gruppe, ist der Nockpunkt zu hoch.

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Der Nockpunkt ist leicht zu hoch! Der Rohschaft geht tief in die Gruppe.

Der Test geht erst weiter, wenn der Nockpunkt korrekt eingestellt wurde und der Rohschaft auf Höhe der Gruppe oder minimal darüber liegt.

Im Anschluss betrachten wir die seitliche Richtung des Rohschafts im Verhältnis zur Gruppe, um uns ein Urteil über die Steifigkeit des Pfeils zu erlauben.

Bei Rechtshand-Schützen gilt:

  • Ist der Rohschaft rechts von der Gruppe, ist der Pfeil zu weich.

  • Ist der Rohschaft links von der Gruppe, ist der Pfeil zu steif.

ACHTUNG: Bei Linkshand-Schützen ist dies natürlich umgekehrt!

 

Nun geht es darum, den Pfeil so zu tunen, dass unser Rohschaft bis 30 Meter in bzw. sehr nahe an der Gruppe liegt. Als Rechtshand-Schütze erlaube ich mir, dass er maximal eine Handbreit links und eine Handbreit hoch über der Gruppe sein dürfte. Idealerweise hätte ich meinen Rohschaft aber gerne in der Gruppe.

Welche Möglichkeiten habe ich nun, um den Pfeil steifer oder weicher zu bekommen?

Ein weit verbreitetes Mysterium ist es, dass die Steifigkeit des Pfeils über den Button korrigiert werden kann. Ich selber habe das auch jahrelang angenommen und musste erst kürzlich lernen, dass diese Annahme falsch ist und nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Kleine Korrekturen sind natürlich möglich, sollten aber nicht eure erste Wahl sein.

Folgende Möglichkeiten haben wir zum Tuning zur Auswahl.

Um den Pfeilschaft steifer zu machen:

  • Zuggewicht am Bogen über die Tillerschrauben reduzieren

  • die Pfeillänge kürzen (Vorsicht: Nur schrittweise vorgehen!!!)

  • Verringerung des Spitzengewichts (Einfluss auf den F.O.C.)

  • Sehne mit einer höheren Strangzahl verwenden (Der Pfeil nimmt nicht mehr so viel Energie auf)

  • Erhöhung des Gewichts am Heck des Pfeils, z.B. über Pins (Einfluss auf den F.O.C.)

  • Ummantelung des Pfeils durch beispielsweise einen Wrap (Einfluss auf den F.O.C.)

  • längere Inserts oder Spitzen einkleben (Einfluss auf den F.O.C.)

  • größere und längere Federn aufkleben (Einfluss auf den F.O.C.)

Um den Pfeilschaft weicher zu machen:

  • Zuggewicht über die Tillerschrauben erhöhen

  • längere Pfeile kaufen

  • Sehne mit weniger Strängen verwenden (Der Pfeil nimmt mehr Energie auf)

  • Erhöhung des Spitzengewichts (Einfluss auf den F.O.C)

  • Verringerung des Gewichts am Heck des Pfeils (Einfluss auf den F.O.C.)

  • Entfernen jeglicher Ummantelung des Pfeils (Einfluss auf den F.O.C.)

  • kleinere und leichtere Federn auf den Pfeil kleben (Einfluss auf den F.O.C.)

ACHTUNG: Jede der einzelnen beschriebenen Maßnahmen hat auch weitere Auswirkungen auf das Flugverhalten. Je nachdem, wofür der Pfeil abgestimmt werden soll (Scheibe/Feld/3D), sollte genau überlegt werden, welche Maßnahmen ich verwende.

Alleine diese Tuningvorgänge können viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen und es bedarf oft der Hilfe eines Trainers oder Trainingspartners, der hinter dem Schützen versucht, den Pfeilflug zu beurteilen.

Ich empfinde den Rohschaft-Test als eines der wichtigsten Testverfahren, um mein eigenes Material mich individuell abzustimmen. Denn nur gut abgestimmtes Equipment macht es möglich, gute Ergebnisse im Wettkampf zu schießen.

Im nächsten Beitrag geht es um die weiteren Tuning-Tests, wie den „Walk-Back-Test“ oder den „Seitenversatz“. Erst hier kommt der Button ins Spiel 😉

Euer Philipp

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