World Bowhunter Championship 2017 in Florenz (IT)

In der Woche vom 17. Juni bis zum 23. Juni fand nahe Florenz in der Provinz Chianti (Toskana) die World Bowhunter Championship (WBHC) 2017 statt. Drei Vereinskollegen und ich wollten auf diese Reise gehen. Unsere Vorbereitungen dafür liefen schon seit August des letzten Jahres: Flug buchen, Pension suchen und buchen und einen Mietwagen für 4 Personen inkl. Gepäck organisieren. Wir freuten uns alle riesig auf das Großevent.

Um etwas entspannter auf die Reise zu gehen, entschlossen wir uns zur Gepäckaufgabe am Vorabend. Ich reiste ohne Zusatzgepäck – nur mit meinem Bogenkoffer und meinem Sitzrucksack. Alles Nötige war gut und sicher im Koffer verstaut. Die Klamotten erwiesen sich als ideal zum Polstern des Equipments und im Sitzrucksack war genug Platz für das Handgepäck.

Zum Glück ist das Gepäck am gleichen Flughafen wie wir angekommen und hat bei uns allen den Flug von Düsseldorf nach Florenz gut überstanden… Nur bei meinem Kollegen, Uli, war das Scope verbogen, wobei wir nicht wussten, ob es einfach an seiner Packweise lag oder am Umgang mit dem Gepäck durch das Flughafenpersonal.DCIM100GOPROGOPR4106.

Später kam eine neue Mammutaufgabe auf uns zu. Wir nahmen unseren Mietwagen in Empfang. Ein FIAT Tipo stand vor uns. Meine Schießkameraden flogen jeweils mit zwei Gepäckstücken, so dass wir nun einen Tetris-Profi brauchten, um nicht zweimal fahren zu müssen. Wir konnten es selber nicht glauben, aber mit viel hin und her und nach dem 5. Mal Ein- und Ausräumen fanden wir eine Kombination, die tatsächlich passte (und fotografiert wurde, damit wir sie beim nächsten Mal auch wieder so hinkriegen würden…). Ich musste auf dem Beifahrersitz noch einen Bogenkoffer auf den Schoß nehmen und die beiden anderen Mitfahrer jeweils einen Sitzrucksack.

Die Fahrt zum Hippodrome (Pferderennbahn), wo Registration und Bogenkontrolle stattfinden sollten, dauerte laut Navi ca. 45 Minuten. Bei italienischen Straßen und der Verkehrslage wurden leider unangenehme 60 Minuten daraus.

Registration und Bogenkontrolle waren schnell und zügig abgearbeitet. Wir schossen im Anschluss noch ein paar Pfeile in der brütenden Hitze, auf einer riesigen Einschießwiese inmitten des Hippodromes, wo gerade im Hintergrund eine Riesenbühne aufgebaut wurde. Leider stellte sich heraus, dass diese nicht für uns, sondern für ein Aerosmith-Konzert sein würde. Natürlich war das Konzert für Freitag angesetzt, wo ja parallel unsere Siegerehrung nur wenige Meter von hier stattfinden sollte. Ein gewisses Chaos war bereits an dieser Stelle vorherzusehen.

Jetzt ging es ab ins Hotel. Bei den Vorbereitungen haben wir darauf geachtet, dass unser Hotel eher in der Nähe der Parcours liegt, als hier in Florenz. Schließlich konnten von Florenz bis zum eigentlichen Austragungsort gut und gerne 60-90 Minuten Autofahrt liegen.

Wir vier waren Gott sei Dank alle auf den Parcours „Ricavo 1-4“ eingeteilt und keiner von uns musste separat weiter in den Süden zu den anderen Parcours fahren.

Wir erfuhren, dass uns ab San Donato in Poggio ein Bus abholen sollte, der uns morgens zu den Ricavo Ranges bringen sollte. Kurzum entschlossen wir uns, diesen Ort einmal anzufahren und uns ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Unser Fazit: Parkplätze gab es genug – jedoch machte nur ein kleines Hinweisschild an der Einfahrt darauf aufmerksam – und die Anfahrt dauerte vom Hotel ca. 15-20 Minuten.

Wir fuhren ebenfalls nach Ricavo zu den Parcours, um uns auch hier ein Bild zu machen. Und wieder: Es gab weder Schilder noch ließ hier irgendetwas darauf hindeuten, dass hier eine Weltmeisterschaft stattfinden sollte. Lediglich ein paar Flatterbänder zur Parcoursführung waren zu sehen.

Nebenbei haben wir am Sonntag den Übungsparcours (Poderi val Verde) gefunden, der ebenfalls in der Nähe der Ricavo Parcours lag. Dieser Parcourstipp wurde uns ein paar Tage vor Beginn des Events vom DFBV per Mail zugeschickt. Die Familie und Inhaber des wunderschönen Hotels Poderi Val Verde sprachen Deutsch und hatten ein tolles Gelände und einen tollen, fast das ganze Jahr über beschießbaren Parcours nach IFAA Regeln erstellt. Hier wäre auch eine perfekte Unterkunftsmöglichkeit gewesen, aber das konnten wir vorher nicht wissen. Wir trafen hier schon auf einige bekannte Gesichter und das Flair war perfekt.

Leider mussten wir den Parcours auf der Hälfte wieder verlassen, da wir ja abends wieder 40 km zurück nach Florenz fahren mussten, um pünktlich beim Briefing, Einmarsch der Nationen und der Eröffnungsfeier dabei sein zu können.

Briefing und Aufklärung des Verbandes waren gegen 16:00 Uhr und das Briefing brachte fast mehr Fragen auf, als dass es Licht ins Dunkle brachte. Der Einmarsch der Nationen mitten in der Innenstadt war für 18:00 Uhr angesetzt. Ein straffer Zeitplan! Leider gab es nur wenige Infos, wie man dort hinkommen würde.

Heutzutage, mit Smartphone und Apps in der Tasche, ging es zum Glück ganz gut und wir schafften es nach dem Briefing pünktlich zur Innenstadt und somit zur Eröffnungsfeier. Dieser mangelte es leider sehr an Organisation und ich war persönlich recht enttäuscht. Von einer Eröffnungszeremonie bei einer Weltmeisterschaft hatten sich die meisten Teilnehmer sichtlich mehr erhofft.IMG_7208

Am ersten Tag ging bereits um 5:30 Uhr der Wecker. Nun hieß es, schnell fertigmachen, ab ins Auto und – ohne Frühstück – zum Shuttle. Wir waren zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass es sicherlich am Parcours etwas Frühstück geben würde… wurden jedoch leider eines Besseren belehrt. Ansonsten lief alles reibungslos und wir kamen ohne große Probleme um 7:30 Uhr am Parcoursgelände an. Die Scheibeneinteilung und Sammelstelle für unseren Parcours war ausgehangen. Perfekt, alles lief nach Plan!

Die Parcours innerhalb der Woche waren alle wirklich lobenswert und schwer gestellt und somit einer WM würdig. Ich war daher froh, dass ich die Woche vorher noch in Siegburg im Parcours war, der auch dafür bekannt ist, sehr anspruchsvoll zu sein. Ich startete an Tag 1 mit einer Doppelhunter-Runde im gelben R1 Parcours. Dieser Tag war mein stärkster der 4 Tage. Ich schoss bei 33°C ein zufriedenstellendes Ergebnis, konnte mich gut konzentrieren und meine Leistung abrufen. Es gab Wasser im Parcours und das auch noch umsonst. Top!IMG_7233

Ich schloss Tag 1 auf Platz 2 ab und ging zufrieden in den nächsten Tag. Tag 2 und 3 waren jeweils 3-Pfeil-Runden. Mittwoch hatte ich frei, sodass man sich etwas im Schwimmbad erholen konnte. Ich fiel leider bereits Dienstag auf Platz 4 herunter, da ich mit der Konkurrenz nicht mithalten konnte. Innerhalb meiner Leistungsgruppe lagen wir alle sehr dicht zusammen und mich trennten am Donnerstagabend – einen Tag vor der entscheidenden Hunterrunde – nur 2 Ringe zu Platz 3 und nur 19 Ringe bis Platz 1. Natürlich hatte ich aber auch bis auf 5 Ringe den 5. Platz im Nacken sitzen. Es war noch alles drin und ich wusste, es geht am letzten Tag um alles. Der Hunterparcours am Freitag war sehr schwer und wir hatten alle keine super Ergebnisse für eine Hunterrunde. Unsere Truppe blieb die ganze Woche über gleich, da sich an unserer Platzierung recht wenig verändert hatte. Ich schoss die ganze Woche mit Chris Pleasants (GB), Scott Stanbury (GB), Engelbert Tschernitsch (D), Wolfgang Pirmann (AT)und Rene Führer (CH).

Es war eine tolle Atmosphäre und es hat einen riesen Spaß gemacht. Alles lief fair und sportlich ab, aber trotzdem war die Stimmung nie steif. Es gab immer etwas zu lachen und trotzdem war der nötige Ernst dabei.

Am letzten Tag passierte wirklich noch eine Menge. Am Anfang konnte ich mich auch das ein oder andere Mal auf Platz 1 setzen, aber Chris Pleasants aus England war einfach zu stark. Er holte sich eine Scheibe vor Schluss den Sieg und Scott und Engelbert machten an der letzten Scheibe noch Plätze 2 und 3 unter sich aus. Ich musste mich 3 Scheiben vor Schluss mit Platz 4 zufriedengeben. Resümierend muss ich sagen, dass ich meine Leistung leider nicht zu 100% abgerufen habe, aber mehr ging einfach nicht.

Ich gratuliere an dieser Stelle meinen Scheibenkollegen Scott und Engelbert zu Platz 2 und 3 und natürlich ganz besonders Chris zum Weltmeistertitel 2017. Es war wirklich toll mit so guten Schützen zusammen zu schießen.IMG_0970

Im Anschluss an die letzten geschossenen Pfeile musste es wieder schnell gehen, schließlich war für 19:30 Uhr bereits die Siegerehrung angesetzt. Und da war ja noch das Aerosmith-Konzert… Also schnell duschen, das Event-Shirt anziehen und wieder 40 km Richtung Norden nach Florenz fahren.

Die Siegerehrung fand in einem Innenhof nahe des Bahnhofs statt und es gab noch ein paar freie Parkplätze in einem nahegelegenen Parkhaus. Hier fand parallel zur Siegerehrung auch das Bankett statt, welches wir im Vorfeld gebucht hatten. Während die Location wirklich schön war, ließ die Organisation leider wieder zu wünschen übrig. Nichtsdestotrotz freute ich mich riesig über die Bronze-Medaille mit dem „Team of Nation“ und über Mannschafts-Silber gemeinsam mit meinem Recurve-Kollegen. Einmal Silber und einmal Bronze auf einer WM – ein tolles Gefühl!

Sportlich war es insgesamt eine sehr tolle Veranstaltung, die ich jederzeit nochmal mitmachen würde. Von der organisatorischen Seite her möchte ich mich dazu lieber nicht weiter äußern.jtlshoplogo

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