European Bowhunter Championship 2016 IFAA

20160701-DSC_2284.jpgAb Freitag dem 26. Juni 2016 war die EBHC zu Gast in Österreich. Saalbach Hinterglemm war der Austragungsort der Europameisterschaften im 3D Bogensport.

Der UBSV Glemmtal hatte sich der Mammutaufgabe gestellt und in langer Vorbereitung ein Turnier auf die Beine gestellt, auf dem unter den insgesamt ca. 1700 Teilnehmern die Sieger der einzelnen Bogenklassen ermittelt werden sollten.

Ich ging in meiner Klasse „Adult Male Freestyle Recurve“ an den Start und reiste am Samstag mit drei Vereinskollegen an.

Meine Teilnahme war leider die Tage zuvor aufgrund eines viralen Infektes, der mich eine Woche zuvor noch ins Krankenhaus brachte, noch nicht klar. Erst am Freitag den 26. Juni erhielt ich von meiner Hausärztin das offizielle „Okay“. Meine Werte hatten sich so weit stabilisiert, dass sie mir den Einsatz zutraute. Meine Erwartungen waren aufgrund des überwiegenden Liegetrainings dementsprechend tief und eigentlich hatte ich mein Ziel am Samstag schon erreicht: Ich war dabei und durfte mitschießen.

Schon am Samstag bei der Bogenkontrolle fiel sofort auf, dass die Österreicher ein wirklich gutes Händchen für die Wettkampforganisation haben. Auch die Ausschilderung und der Ablauf an den Vorbereitungstagen waren einfach top organisiert – keine langen Warteschlangen, trotz des hohen Andrangs und alle waren nett und freundlich. Das ganze Dorf war eingespannt in die Durchführung dieses Events. Die Menschen hier (er)lebten mit uns gemeinsam den Bogensport. Das Dorf stand Kopf und war die kommenden Tage nur auf den Bogensport ausgerichtet.

Am Sonntag starteten wir erstmal ein kleines Training im Übungsparcours, der natürlich etwas überfüllt war, da jeder vorher nochmal traininieren wollte. Wir entschlossen uns daher, nur eine halbe Runde zu schießen. Schließlich war ich noch nicht 100% fit und wollte meine Kräfte nicht schon einen Tag vor Wettkampfbeginn auf die Probe stellen. Es reichte festzustellen, dass der Bogen auch bei der Höhenluft „normal“ funktioniert und keiner irgendwas zu Hause vergessen hat.

Den 1. Turniertag startete ich mit der „Unmarked Animal Round 1“, einer 3-Pfeile-Runde im blauen Parcours. Wir wurden mit Bussen zu einem abgelegenen Waldstück gefahren und mussten nochmal in einen kleineren Traktor mit Anhänger umsteigen, der uns hoch zum Start führte.

Spätestens hier hatte ich das erste Mal Angst um meine Ausrüstung. Es war so eng und ruppig in diesem Traktoranhänger, dass es nicht lange dauerte, bis der erste seinen Visierpin abbrach oder sich jemand auf einen Stabi setzte. Zum Glück blieb mein Material davon verschont.

Der blaue Parcours war nicht so anspruchsvoll zu laufen und auch die Anforderungen an das Schießen waren moderat. Ich hatte also einen angenehmen Tag, um in das Turnier einzusteigen und habe auch ein gutes, für mich gewohntes Trainingsergebnis geschossen.

An Tag 2 war ich dann doch schon etwas überrascht, dass ich oben auf Platz 3 des Rankings war. Heute ging es für uns Recurver in den „Salzburger Parcours“ zur zweiten 3-Pfeile-Runde (UAR2). Dieser Pacrours hatte es in sich und war deutlich schwerer zu laufen und die Entfernungen wirkten auf mich unendlich weit. Ein langer Schuss nach dem nächsten. Wenn dann endlich mal ein kurzes kleines Tier zu sehen war, dann war es entweder mega steil bergab oder der Stand für den Schützen war eine totale Katastrophe. Gott sei Dank hatten wir pures Sonnenwetter bei gefühlten 30°. Im Regen wäre der Parcours nicht schießbar gewesen. Umso zufriedener war ich, dass ich diesenWettkampftag mit der gleichen Ringzahl wie am Vortag abschließen konnte.

Meine Einstellung blieb die gleiche: „Sei froh, dass du überhaupt hier schießen kannst“.

scan0001.jpgAm dritten Tag ging es in den grünen Parcours (Viehhofen Round) zur Doppelhunter Runde. Heute sollte sich die Spreu vom Weizen trennen. Jetzt hieß es Gas geben. Die Punkte, die man heute gewinnen konnte, waren Gold wert. Ich schoss an diesem Tag meine persönliche Bestleistung mit 454 Ringen und konnte mich von Platz 3 auf den 1. Platz im Ranking hochschießen. Damit war klar, dass ich am Finaltag nicht mehr „Jäger“, sondern Gejagter sein würde. Meine direkten Verfolger, Chris Pleasants und Engelbert Tschernitsch, waren nur wenige Punkte hinter mir.

Körperlich hatte ich das Gefühl, dass es mir von Tag zu Tag besser ging – lediglich die Kletterei mit voller Ausrüstung von Tag 2 fühlte ich deutlich in den Füßen. Aber von meiner Krankheit war nichts mehr zu spüren. Trotzdem wollte ich weiter locker bleiben und mich nicht davon verrückt machen lassen, wo ich in der Platzierung aktuell stand.

Als der Finaltag endlich da war, stellte ich fest, dass sehr mieses Wetter angekündigt war. Die Veranstalter drohten bei Gewitter sogar mit Turnierabbruch. Es sollte viel Regen fallen und wir mussten für unsere letzte Hunterrunde in den VW Amarok Parcours, der mit der Reiterkogelgondel zu erreichen war.

Ich stellte schon beim Einschießen fest, dass das Schießgefühl das gleiche war, wie am Tag zuvor und ich wusste, ich konnte es heute reißen… einfach nur so weiterschießen.

scan0002.jpgUnd genauso lief es auch. Mit 422 Ringen in der Hunterrunde war es bereits 3 Scheiben vor Schluss klar: Ich bin Europameister 2016. Ich konnte es am Folgetag immer noch nicht richtig fassen. Erst bei der Siegerehrung, die ebenfalls wieder organisatorisch absolute Spitze war, realisierte ich, was da überhaupt passiert war. Der Höhepunkt war natürlich der Gang auf das Treppchen. Einen so heftigen Adrenalinkick habe ich noch nie bekommen. Ca. 1700 Menschen jubelten mir zu und freuten sich für mich mit. Ich war überwältigt, dass ich diese Leistung nach den 14 Tagen Schießpause so abrufen konnte. Aber vielleicht war es aucg genau das, was mir im Endeffekt zum Sieg verholfen hat. Mental fühlte ich mich nie stärker als in diesem Wettkampf. Meine innere Einstellung war seit meiner Ankunft konstant die gleiche: Ich hatte mein Ziel mit Ankunft auf der EBHC eigentlich schon erreicht. Ich war dabei.

MOS_9184.jpgNun werde ich wohl jede weitere EBHC oder WBHC an dieser Veranstaltung messen und das wird natürlich verdammt schwer. An dieser Stelle möchte ich noch ein großes Lob an den Veranstalter und an die Organisatoren loswerden. Es war einfach rundum eineabsolut klasse EBHC.

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